Donnerstag, 10 September 2020 11:50

Zurück auf Start

geschrieben von Spielbericht
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Am Samstagabend startet der KTV Altdorf auswärts in Wohlen wieder in den Meisterschaftsbetrieb. Die Spielzeit 2020/21 ist dabei der Restart der abgebrochenen Coronasaison 2019/20.

 

Nach der verpassten Finalrunde spielte sich der KTV mehr oder weniger souverän durch die Abstiegsrunde, als im März verkündet wurde, was alle bereits geahnt hatten. Die Saison muss abgebrochen werden. Die Altdorfer, am Vortag zur Auswärtsfahrt nach Visp in Kenntnis gesetzt, kamen mit einem blauen Auge davon. Das Saisonziel Aufstieg war bereits verspielt und der Abstieg in keiner Rechnerei möglich. Der Verband verkündete daraufhin die Nichtwertung der Saison. Somit verbleiben nicht nur die Urner, sondern auch die praktisch als Aufsteiger feststehenden HV Olten und Handball Emmen weiter in der 1. Liga. Einerseits verabschiedeten sich die beiden direkten Konkurrenten in dieser Hammergruppe nicht in die NLB, auf der andern Seite können sich die Altdorfer weiter auf höchstem 1.Liga-Niveau messen.

 

Altbekannte Gegner

 

Doch es stehen längst nicht nur Olten und Emmen als ernsthafte Konkurrenten um die beiden Finalrundenplätze fest. Allen voran die vom ehemaligen Altdorfer Rückraumshooter Marius Kasmauskas trainierten Muotathaler spielten eine beeindruckende Vorbereitung. Mit einem bärenstarken Auftritt am heimischen Raiffeisen-Cup, an dem sie die B-Ligisten Biel und Stans schlugen und sich den Turniersieg sicherten, verschafften sich die Schwyzer massig Respekt. Diesen Respekt verdienten sich die Dagmerseller bereits im Vorjahr, als der vermeintliche Underdog zum Stolperstein wurde. Auch die Krienser konnten mit Torhüter David Wenger aus Stans und Florian Henrich aus Altdorf zwei namhafte Neuzugänge präsentieren. Vor allem der letztgenannte wird sich die Direktduelle in der Agenda vermerkt haben und will heisslaufen wie Frittenfett. Komplettiert wird die Gruppe durch die beiden Aargauer Teams aus Wohlen und Muri. Auch beim Modus gibt es keine Modifikationen. Die ersten beiden Teams stellen sich im neuen Jahr dem Aufstiegskampf in der Finalrunde, der Rest kann nur noch die Relegation verhindern.

 

Vier Rückkehrer im Kader

 

Betrachtet man die personellen Veränderungen im Altdorfer Team, sticht erst mal ein Name ins Auge. Mario Obad, der langjährige Spielertrainer kehrt nach seinem Intermezzo in Stans zurück, um seine Karriere im Urnerland zu beenden. Doch Obad war nicht nur spielender Übungsleiter, sondern auch Spielmacher und Abwehrchef in Personalunion. Eine Verstärkung, die auf beiden Seiten des Platzes den Unterschied ausmachen kann. Obwohl sein Landsmann und jetziger Spielertrainer Mario Jelinic die handballerischen Zügel in Händen hält, kümmert sich Obad um das dienstägliche Athletiktraining. Doch er ist nicht der einzig altbekannte, der ins Feldli zurückkehrt. Der ehemalige Kapitän Kevin Ledermann streift sich das Altdorfer Trikot ebenso über wie „Zerberus“ Marcel Luthiger, der das Torhütergespann komplettiert. Obwohl noch sehr jung, kann auch Marco Inderbitzin bereits eine NLB-Saison in gelb vorweisen. Er kehrt aus Stans zurück und gehört mit den Eigengewächsen Lukas Müller und Matteo Kovacevic zu den jungen Wilden. Kopf des Teams bleibt aber weiterhin Captain Fabian auf der Maur.

Schwerwiegendster Abgang ist wohl der von Spielmacher Florian Henrich, den man nach zwei Jahren an den Ligakonkurrenten Kriens verliert. Shooter Benjamin Vizi machte sich auf den Weg in die NLB. Es stellt sich die Frage,ob er die im Boden versteckten Trampoline, anders waren seine Sprungwürfe unter die Hallendecke nicht zu erklären, mit in die Badische Aue gezügelt hat. Die beiden Urner Marc Häusler und Flavio Fallegger ziehen sich aus der ersten Mannschaft zurück und gehen neu im „Zwei“ auf Torejagd.

 

Durchwachsene Vorbereitung

 

Über den Sommer wurde viel Wert auf die athletischen und insbesondere die läuferischen Fähigkeiten gelegt. Dies hing auch damit zusammen, dass die Gemeinde Altdorf über die Sommerferien keine Halle stellte und die eigene Halle noch Planungsgegenstand ist. Erstaunlich fit zeigten sich die Spieler nach der coronabedingten Mannschaftstrainingspause, obwohl sich die sportliche Leitung gegen einen auferlegten Trainingsplan entschied. Die Rückkehr in die Halle ging mit den ersten Trainingsspielen somit Hand in Hand. Mario Jelinic entschied sich,in dieser Vorbereitung ausschliesslich gegen stärker einzuschätzende Teams zu testen. B-Ligist Stans stand gleich drei mal im Programm, darunter die ersten beiden Spiele, in denen man das so lange abwesende Handballspiel erst mal wieder neu kennenlernen musste. Der erste ernste Test folgte dann am Raiffeisen-Cup in Muotathal. Gegen Stans verlor man in den letzten Minuten, im anschliessenden Spiel gegen Biel setzte es eine klare Niederlage ab, auch weil der Spielplan nur einem Team eine Pause zuliess. Das sportliche Highlight war dann der Test gegen den nationalen Titelanwärter Kriens-Luzern. Vor allem im ersten Umgang verkauften die Urner ihre Haut teuer. Eher unerwartet entwickelte sich ein Handballspiel auf Augenhöhe, in dem sich das NLA-Team aber dennoch kontinuierlich absetzte. Auch der letzte Test gegen Wädenswil-Horgen (NLB) verlief durchaus positiv. Bis in die Schlussminuten war das Spiel offen, am Ende sorgten die Zürcher aber dafür, dass das Resultat klarer aussah als das Spiel tatsächlich war. Als letzte Standortbestimmung vor der Meisterschaft stand das Cupspiel in Yverdon an. Durch kollektives Versagen hatten die Altdorfer nichts, aber auch gar nichts zu melden. Nach den positiven Auftritten, die aber allesamt verloren gingen, kam der vielleicht noch notwendige Warnschuss, bevor um die angestrebte Finalrunde gekämpft wird.

 

Erster Auftritt in Wohlen

 

Nun gilt es also ernst. Obwohl Wohlen durch den Abbruch vor dem Abstieg gerettet wurde, denkt der KTV wohl nicht nur positiv an das letzte Duell in Wohlen. Mit nur einem Tor Differenz setzten sich die Altdorfer in einer Zitterpartie durch. Auch in den übrigen Partien sah man keine grossen Unterschiede zwischen dem Aufstiegsanwärter und dem Abstiegskandidaten. Da sich der Kader der Aargauer kaum veränderte, sollte der KTV wissen, was ihn erwartet. Und dies sind sicherlich keine geschenkten Punkte, sondern eine fightende Truppe, die sich über das Kollektiv definiert. Die Urner sind also gut beraten, an die Leistungen gegen Kriens oder Wädenswil anzuknüpfen, um für den gewünschten Start zu sorgen.

 

Neue Umstände

 

Auch wenn mit dem Start der neuen Saison ein Stück Normalität zurückkehrt, bleibt Covid-19 aber auch in der Halle ein Thema. Im heimischen Feldli darf der KTV maximal 300 symptomfreie Zuschauer begrüssen. Kontaktdaten müssen hinterlassen werden, Schutzmasken werden empfohlen und die Spieler- und Zuschauerbereiche werden klar getrennt. Da die Auflagen kantonal variieren, müssen sich Spieler und Fans vor den Auswärtsspielen beim jeweiligen Gastgeber informieren.

Endlich geht es wieder los. Der KTV freut sich auf eine ereignisreiche Saison 2020/21. An oberster Stelle steht dabei die Gesundheit der Spieler, Betreuer und Zuschauer. Ganze Mannschaften in Quarantäne, Superspreader auf den Rängen oder exponentielle Ansteckungszahlen in der Bevölkerung gefährden nicht nur ein paar Handballspiele, sondern auch ein Stück Normalität. Deshalb appelliert der KTV Altdorf, dass die Schutzmassnahmen eingehalten werden, damit die Saison nicht wieder vorzeitig beendet werden muss. Denn in diesem Falle sind nicht alle guten Dinge drei.

Gelesen 253 mal Letzte Änderung am Donnerstag, 10 September 2020 11:53